Was nützen Nutzungsrechte Illustratoren und ihren Kunden?

Alle Illustratoren machen es. Die einen ganz offensichtlich. Die anderen gut versteckt zwischen den Zeilen, um nicht in Erklärungsnot zu geraten. Es geht um die Einräumung und Vergütung von Nutzungsrechten. Obwohl Sie der einzige Weg zur legalen Nutzung eines urheberrechtlich geschützten Werks sind, ist das Thema ein Dauerbrenner bei Illustratoren-Stammtischen und Kundengesprächen – und vielleicht auch bei Ihnen? Als Auftraggeber von Illustrationen ist es auf jeden Fall sinnvoll, das Thema Nutzungsrechte zu verstehen.

Ich gehöre zu den Illustratoren, welche ihre Preise transparent an ihre Kunden kommunizieren. Das heißt, auf meinen Angeboten und Rechnungen ist das Thema Nutzungsrechte und die damit verbunden Kosten stets präsent. Die Reaktionen darauf sind verschieden. Es ist aber auch wirklich nicht einfach zu verstehen, warum man etwas nicht uneingeschränkt nutzen darf obwohl man dafür bezahlt hat. Dieses "Warum" möchte ich nun gern beantworten, indem ich die rechtliche Seite beleuchte, aber vor allem auch den Nutzen für Illustratoren und deren Kunden hervorhebe.

Dieser Beitrag beantwortet folgende Fragen rund um das Thema Nutzungsrechte:

  • Was sind Nutzungsrechte und warum sind sie notwendig?
  • Was bringen Ihnen als Kunde diese Nutzungsrechte?
  • Warum sind Nutzungsrechte so teuer?
  • Wie können Sie die Kosten für die Nutzungsrechte beeinflussen?

 

Nutzungsrechte im Urheberrecht

Mit der Einräumung von Nutzungsrechten erlauben Illustratoren ihren Auftraggebern ihre Werke in einem festgelegten Umfang zu nutzen. Für "geistige persönliche Schöpfungen“ wie Illustrationen und Grafiken wird diese Praxis im Urheberrecht geregelt. Die Einräumung von Nutzungsrechten ist also ein geltendes Recht des Urhebers (also des Illustrators).

Der Urheber kann einem anderen das Recht einräumen, das Werk auf einzelne oder alle Nutzungsarten zu nutzen (Nutzungsrecht). Das Nutzungsrecht kann als einfaches oder ausschließliches Recht sowie räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden.
— Urheberrechtsgesetz § 31 Einräumung von Nutzungsrechten

Trifft man keinerlei Vereinbarungen zur Nutzung gilt folgendes:

Sind bei der Einräumung eines Nutzungsrechts die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, so bestimmt sich nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck, auf welche Nutzungsarten es sich erstreckt.
— Urheberrechtsgesetz § 31 Einräumung von Nutzungsrechten

Das heißt, es wird im Regelfall von der minimalsten Nutzung ausgegangen. Beauftragen Sie also eine Illustration für einen Flyer und wurde die Nutzung in ihrem Umfang nicht ausdrücklich formuliert, dürfen Sie die Illustration auch nur für diesen Flyer benutzen. Bei jeder Nutzung darüber hinaus, liegt eine Urheberrechtsverletzung vor.

Die Nutzung von Illustrationen ohne, dass der Illustrator Ihnen ein Nutzungsrecht für den benötigten Zweck eingeräumt hat, ist also nicht legal! Ausdrücklich formulierte Nutzungsrechte sind somit die Basis für eine rechtssichere Zusammenarbeit mit Illustratoren. Nur so haben Sie ein gültiges Ticket für Ihre Fahrt mit dem Werbe-Express in der Hand.

 

Mehrwert ist mehr wert

Illustratoren berechnen für Ihre Arbeit nicht nur eine Summe X, sondern eine Summe X plus Y. Letzteres steht für die Vergütung der eingeräumten Nutzungsrechte. Errechnen tut sich diese, indem die Summe X, welche für das Entwurfshonorar steht, mit einem sogenannten Nutzungsfaktor multipliziert wird.

Entwurfshonor = Arbeitszeit x Stundensatz
Gesamthonorar = Entwurfshonorar + (Entwurfshonorar x Nutzungsfaktor)

Dieser Faktor liegt meist zwischen 0,3 und 5,0 und ist genauso variabel wie die Kosten für die Nutzung selbst. Der Grund dafür wird mit dem Blick auf ein Beispiel aus einer anderen Branche vielleicht etwas plausibler:

Der Preis der Software-Lizenz - Eine Frage der Nutzung
Ein und die selbe Software wird oft für zwei verschiedene Bereiche angeboten: die private und die kommerzielle Nutzung. Für die letztere Variante werden deutlich höhere Preise verlangt. Weshalb? Die Software wird vom Käufer genutzt, um seinen Umsatz zu steigern. Davon schneidet sich das Softwareunternehmen sozusagen ein Scheibchen ab. Schließlich wäre es ohne ihre Software nicht zu diesem Mehrwert gekommen. 

Auch bei der Nutzung von Illustrationen oder Grafiken entsteht ein Mehrwert für Sie bzw. Ihr Unternehmen. Meine Arbeiten sollen schließlich dafür sorgen, dass sich Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung noch besser verkauft. Je umfangreicher Sie meine Arbeiten nutzen, desto größer ist dieser Mehrwert und entsprechend höher fällt der Nutzungsfaktor und somit auch das Nutzungshonorar aus. Es ist also nicht teuer eine Illustration anfertigen zu lassen. Teuer ist es die Illustration zu verwenden um damit selbst seine Umsätze zu steigern. Es handelt sich also um eine Art Gewinnbeteiligung. 

    Diese dem Nutzungsumfang angemessene Vergütung wird übrigens auch im Urheberrecht behandelt:

    (1) Der Urheber hat für die Einräumung von Nutzungsrechten und die Erlaubnis zur Werknutzung Anspruch auf die vertraglich vereinbarte Vergütung.
    (2) (...) Im Übrigen ist die Vergütung angemessen, wenn sie im Zeitpunkt des Vertragsschlusses dem entspricht, was im Geschäftsverkehr nach Art und Umfang der eingeräumten Nutzungsmöglichkeit (...) üblicher- und redlicherweise zu leisten ist.
    — Urheberrechtsgesetz § 32 Angemessene Vergütung

    Zum besseren Verständnis wie die Nutzung die Kosten beeinflusst, habe ich mir drei mögliche Szenarien überlegt. Die Erläuterungen zu den Einflussfaktoren Nutzungsart, Nutzungszweck, Nutzungszeit und Nutzungsgebiet finden Sie unter diesen Beispielen.

    Beispielauftrag:

    Entwicklung eines Motivs für das Etikett einer Jubiläums-Biersorte
    Entwurfshonorar: 1000 Euro


    Variante 1

    Nutzungsart: einfach
    Nutzungszweck: Flaschenetikett
    Nutzungszeit: 3 Monate
    Nutzungsgebiet: regional

    = Entwurfshonorar + 400 Euro (Nutzungsfaktor 0,4)

    Variante 2

    Nutzungsart: exklusiv
    Nutzungszweck: Flaschenetikett
    Nutzungszeit: 3 Monate
    Nutzungsgebiet: regional

    = Entwurfshonorar + 1000 Euro (Nutzungsfaktor 1,0)

    Variante 3

    Nutzungsart: exklusiv
    Nutzungszweck: Flaschenetikett + Werbeflyer, Plakatwerbung, Landingpage
    Nutzungszeit: zeitlich uneingeschränkt
    Nutzungsgebiet: deutschlandweit

    = Entwurfshonorar + 1700 Euro (Nutzungsfaktor 1,7)

    Variante TBO (Total Buy-out)

    Nutzungsart: exklusiv
    Nutzungszweck: uneingeschränkt
    Nutzungszeit: uneingeschränkt
    Nutzungsgebiet: uneingeschränkt

    = Entwurfshonorar + mindestens ca. 3000 Euro (Nutzungsfaktor 3,0+)

      Nutzungsart - ganz einfach oder exklusiv

      Die Nutzungsart wirkt sich am intensivsten auf die Kosten von Illustrationen aus. Grund dafür ist, dass das exklusive Nutzungsrecht für den vereinbarten Zweck eben nur von Ihnen ausgeübt werden darf. Ein einfaches Nutzungsrecht hingegen erlaubt mehrere Nutzer. Die Illustration, die ich für Sie angefertigt habe, kann ich also auch einem anderen Kunden verkaufen - jedoch immer wieder nur als einfaches Nutzungsrecht. Typische Beispiele hierfür sind Lizenzmotive oder auch Illustrationen für Magazine, welche nur für einen sehr kurzen Zeitraum verwendet werden. Für die meisten anderen Zwecke wird ein exklusives Nutzungsrecht vereinbart.

      Nutzungszweck - die große Unbekannte

      Die inhaltliche Nutzung, oder auch Nutzungszweck genannt, beschreibt wofür die entwickelte Illustration oder Grafik verwendet werden darf. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Wird die Illustration nur für das Flaschenetikett verwendet, ist der Mehrwert für die Brauerei deutlich geringer als, wenn diese auch noch wie in Variante 3 für weitere Werbemittel verwendet wird. Für diesen erweiterten Zweck wird folglich ein höherer Faktor zur Berechnung der Kosten für die Nutzungsrechte veranschlagt.

      Über die inhaltliche Nutzung kann man auch Nutzungen durch Dritte ausschließen. In der Variante 2 ist beispielsweise die exklusive Nutzung auf das Flaschenetikett beschränkt. Ein exklusives Nutzungsrecht für Werbemittel (Broschüren, Flyer, usw.) oder Websites wurde jedoch nicht vereinbart. Wollen Sie nun ausschließen, dass ich einem anderen Kunden diese exklusiven Rechte einräume, empfiehlt sich ein Nutzungspaket wie in Variante 3. Diese deckt alle wichtigen Kanäle für eine Werbekampagne ab.

      Nutzungsdauer - nichts ist für die Ewigkeit

      Illustrationen werden häufig im Rahmen verschiedener Werbemaßnahmen erstellt. Die Nutzung ist also zeitlich beschränkt (wie in Variante 1 +2 ). Sympathiefiguren, Logos, Icons oder Buchillustrationen müssen jedoch dauerhaft nutzbar sein und werden üblicherweise mit einem zeitlich uneingeschränkten Nutzungsrecht (Variante 3) beauftragt. Aber Vorsicht: das exklusive Nutzungsrecht ist per Gesetzt auf 10 Jahre beschränkt. Danach gehen die gekauften Rechte automatisch in ein einfaches Nutzungsrecht über.

      Nutzungsgebiet - bis hierher und noch weiter

      In den ersten beiden Varianten wird das Flaschenetikett nur regional genutzt. Daraus könnte man schließen, dass es sich um eine kleine lokale Brauerei handelt. Ganz anders sieht es bei der räumlichen Nutzung in Variante 3 aus. Das Motiv soll deutschlandweit genutzt werden. Sie wissen was das heißt.

      Sonderfall: Total-Buy-Out

      Unter Total-Buy-Out oder auch kurz TBO versteht man das Abtreten aller Nutzungsrechte an den Kunden. Wichtig: es geht immer noch nur um die Nutzungsrechte! Das Urheberrecht bleibt davon unangetastet. Dieser Rechteumfang ist die teuerste Option, welche ein Auftraggeber ziehen kann. Für viele Auftraggeber macht ein TBO nur wenig Sinn. Global agierende Konzerne, Merchandising-Unternehmen und auch Werbeagenturen fühlen sich zur rechtlichen Absicherung jedoch häufig dazu verpflichtet diesen Schritt zu gehen.

      Die Kosten für Nutzungsrechte werden also maßgeblich durch zwei Entscheidungen beeinflusst:

      1. In welchem Umfang möchten Sie die Illustrationen nutzen?
      2. Möchten Sie die Illustrationen exklusiv oder einfach nutzen?

      Der Mehrwert für Ihr Unternehmen spiegelt sich also in Umfang und Art der Nutzungsrechte wider.

      Das heißt jedoch nicht, dass ein TBO auch für Sie die beste Lösung ist. Wie Sie eine realistische Einschätzung Ihres Bedarfs erhalten, beschreibe ich im nächsten Abschnitt.

       

      Nutzung planen, heißt kosten planen

      Sie haben aus den obigen Beispielen zu den verschiedenen Szenarien der Nutzung sicher bereits erkannt, dass die Nutzungsrechte häufig die Kosten des Entwurfs übersteigen. Etwas übersichtlicher veranschaulicht diese Infografik nochmal den Zusammenhang zwischen Nutzung und Nutzungshonorar.

       Infografik Berechnung von Nutzungsrechten von Elisabeth Deim

      Die zwei größten Einflussfaktoren für die Kosten der Nutzungsrechte ist ganz offensichtlich die Art der Nutzung sowie der Zweck. Und auch, wenn die zeitliche und räumliche Nutzung fast winzig daneben wirken, sollte man diese nicht unbeachtet lassen.

      Ja, es wäre vermutlich das sicherste alle Rechte zu kaufen - die Variante Total Buy-Out (TBO). Sie können dann Zeit ihres Lebens ohne Ausnahme alles mit der fertigen Illustration oder Grafik machen. Eine Art Bahn-Card-100 auf Lebenszeit. Doch beides hat seinen Preis. Und für wen lohnt sich diese Lösung? Bleiben wir beim Zugfahren: Eine Bahn-Card-100 macht nur dann Sinn, wenn man Fernpendler ist oder sehr häufig Geschäftsreisen per Bahn quer durch Deutschland unternimmt. Ein TBO ist damit gut zu vergleichen. Auch dieser ist nur sinnvoll, wenn die Illustration

      1. exklusiv verwendet werden soll UND
      2. weltweit genutzt wird UND
      3. dauerhaft Verwendung findet UND
      4. für zahlreiche Zwecke verwendet wird.

      Eine Konstellation, welche Sie zum Beispiel bei Logos, Merchandising-Motiven oder auch Kinderbüchern zu finden ist. Bei allen anderen Projekten ist es ratsam, genau zu überlegen, wie man die Illustration heute und in Zukunft verwenden möchte.

      Um Sie bei dieser Überlegung zu unterstützen, möchte ich Ihnen diesen sehr übersichtlichen "Fragenkatalog" anbieten, welcher nicht nur für mich, sondern für alle Illustratoren gilt. 

      Fragen, welche Sie sich stellen können, wenn Sie Illustratoren beauftragen:

      • Möchte ich die Illustrationen jetzt oder in Zukunft in Druckerzeugnissen nutzen?
        In welchen? (Faltblatt, Broschüre, Plakat, Magazin, usw.)
      • Möchten ich die Illustrationen jetzt oder in Zukunft digital nutzen?
        Wie? (Website, Blog, Social Media, Präsentation, App, usw.)
      • Wie lang werde ich die Illustrationen voraussichtlich nutzen?
        (bis 1 Jahr, bis 5 Jahre, uneingeschränkt bzw. bis 10 Jahre)
      • In welchem Gebiet werde ich die Illustrationen einsetzen?
        (regional, Deutschland, deutschsprachiger Raum, Europa, weltweit)
      • Möchten ich die exklusive Nutzung durch Dritte für bestimmte Zwecke und/oder Gebiete ausschließen? 
      • Möchten ich die exklusive Nutzung für NOCH NICHT benötigte Zwecke und/oder Gebiete per Erstrecht reservieren?
      • Möchten ich alleiniger Nutzer dieser Rechte sein oder darf es neben mir noch andere Nutzer geben?

      Mit den Überlegungen zu diesen Fragen, können Sie schnell den tatsächlichen Bedarf herausfinden. Von ganz besonderer Bedeutung kann jedoch auch das Erstrecht für Sie sein. 

      Erstrecht - Nutzungsrechte on demand

      Kommen wir nochmal auf unsere Flaschenetiketten zurück. Wir haben uns für Variante 2 Entscheiden - exklusiv, regional, 3 Monate und nur auf dem Flaschenetikett. Was ist jedoch, wenn das Bier zu einem Kassenschlager wird? Dann möchte die Brauerei das Etikett dauerhaft nutzen - vielleicht auch auf Werbemitteln. Illustratoren räumen Ihnen für diesen Fall in der Regel ein Erstrecht ein. Das heißt, ich darf die im Erstrecht vereinbarten Nutzungsrechte nicht verkaufen, bevor ich sie nicht Ihnen angeboten haben. Wie denken Sie über diese Art der Investitionsplanung?

       

      Und was nützen diese Nutzungsrechte uns nun?

      Sie wissen nun, dass die Einräumung und Vergütung von Nutzungsrechten ein geltendes Recht des Urhebers ist und Sie nur so ein Werk legal nutzen dürfen. Außerdem wissen Sie nun auch, wie wichtig es ist, die benötigten Nutzungsrechte nicht nur genau zu definieren, sondern Sie auch schriftlich ausdrücklich festzuhalten. Was Sie und auch wir Illustratoren davon haben, fasse ich dennoch nochmal zusammen:

      Nutzungsrechte nützen Kunden, denn sie

      • dienen als rechtssichere Erlaubnis ein Werk im vereinbarten Umfang zu nutzen,
      • können sicherstellen, dass andere Nutzer ausgeschlossen werden,
      • sind gut anpassbar und so hinsichtlich Ihrer Kosten steuerbar und
      • werden per Erstrecht zu einer planbaren Investition für Ihr Unternehmen.

      Nutzungsrechte nützen Illustratoren, denn sie

      • stellen sicher, dass ich als Urheber am wirtschaftlichen Erfolg meines Werks beteiligt werde,
      • regeln, in welchem Umfang und durch wen meine Werke genutzt werden bzw. nicht genutzt werden dürfen und
      • können mehrfach verwertet werden, insofern nur einfache Nutzungsrechte an einem Werk eingeräumt wurden oder ein exklusives Nutzungsrecht abgelaufen ist.

      Konnte ich Ihnen mit diesem Beitrag verständlich machen, weshalb Nutzungsrecht nicht nur eine gesetzliche Pflicht sondern auch eine nützliche Praxis sind? Sollten Sie immer noch offene Fragen zum Thema haben, möchte ich Sie gern einladen, mir einen Kommentar unter diesem Betrag zu hinterlassen oder mit mir per Mail oder Telefon Kontakt aufzunehmen. 

      FACT SHEET zum Beitrag als PDF herunterladen.