Media-Liste: September 2021
 

Das ist eine neue Serie über all die Filme, Bücher, Alben und Spiele, die ich Monat für Monat entdecke und genieße. Sie sind nicht nur Futter für meine Neugier, sondern oft auch eine Quelle für Ideen und Inspiration.

FILME UND SERIEN

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Croods 2
Der wohl bunteste Film des Jahres und der perfekte Kinoneustart nach fast 2 Jahren Zwangspause. Animationsfilme im Leinwandformat, das habe ich wirklich vermisst! Es macht unglaublich Spaß vor allem Papa-Crood und Oma-Crood dabei zu begleiten, den Schlafhaufen und die Schickimicki-Blase zu retten. Eine toller “Damals war alles besser”-Film.


Astrid
Nach diesem Film erlebt man die Geschichten und Figuren von Astrid Lindgren womöglich etwas anders. Der Film erzählt einfühlsam, wie die damals 18-Jährige ihren Sohn Lasse in Kopenhagen heimlich zur Welt bringen und für eine lange Zeit dort zurück lassen musste. Er zeigt aber auch die lebenslustige, starke und unglaublich mutige Astrid Lindgren, die ich in ihren Figuren immer gesehen habe. Mit diesem Biopic wird sie noch ein bisschen stärker für mich.

Defiance
Über die Juden, die in die Wälder flohen und sich hier jahrelang versteckten, ist wenig bekannt. Die Bielski-Brüder bildeten in einem dieser Verstecke ihre Partisanengruppe und leisteten der deutschen Besatzung Widerstand. Für meinen Geschmack etwas zu actionreich (Regisseur: Blood Diamond, The Last Samurai), wenn auch historisch sehr interessant. Der Artikel, der mich auf diesen Film stieß, hat mich jedoch mehr ergriffen.


Shang Shi

Ich schaue keine Superheldenfilme. Verschenkt man Kinotickets, hat man aber oft keine Wahl. Shang Shi wurde also für mich, aber nicht von mir gewählt. Es ist vor allem Shang Shis Side-Kick Katy, die den Film zum Brüllen komisch macht. Schade fand ich, dass die Kampfszenen in zahlreiche kurze Naheinstellungen zermetzelt wurden, sodass sie zwar fesseln, - jedoch nur, weil man in dem heillosen Durcheinander versucht den Überblick zu behalten.

Transamerica
Felicity Huffman ist der Wahnsinn! Sie inszeniert Brees letzte Schritte (über ziemlich große Steine) vom Mann zur Frau so herausragend, dass man fast vergisst, dass das alles nur ein Schauspiel ist. Für mich gehört dieser Vater-Sohn-Roadmovie der ganz besonderen Art zu den besten Roadmovies überhaupt. Die Story ist zwar geprägt von Identitätskrisen, Dramen und Angst. Felicity Huffman schafft es jedoch, das alles immer wieder urkomisch zu inszenieren, ohne dabei den Respekt zu verlieren.


Fleabag (Staffel 1 – 6 Folgen)

“Erdrückend komisch” sagt Variety und eine bessere Beschreibung fällt mir auch nicht ein. In den jeweils 25 Minuten schafft man es nicht zu Fleabag eine stabile Beziehung aufzubauen. So geht es ihr im übrigen mit allen Menschen in ihrem Umfeld. Man will sich darüber zerreißen vor Lachen, wie sie sich über den desolaten Zustand ihres Lebens und ihrer Beziehungen äußert. Aber angesichts der vernichtenden Wahrheit und Machtlosigkeit schluckt man das Lachen herunter, wo es dann für Bauchweh sorgt. Man will sie wirklich mögen, aber sie tut alles dafür, dass das auf gar keinen Fall geschieht. Unheimlich, aber auch unheimlich gut - auch wenn man danach am Boden ist.

Bernadette
Verunsicherung ist ein Gefühl, dass wie kaum ein anderes verstört und Furcht einflößt. Cate Blanchette spiegelt diese innere Beklemmung, welche in Bernadette ausgelöst wurde, beeindruckend eindringlich. Die Einsamkeit, in die Bernadettes Gedanken und Gefühle sie treiben, sind durch die wunderbar komischen und bissigen Dialoge, mit denen sie sich durch ihre Situation windet, spürbar und hörbar. Cinematografisch wird diese Einsamkeit jedoch leider nur selten sichtbar.


Der geheime Garten

Dieser Film hat mich an die Hand genommen. Mary hat mich an die Hand genommen – und unterwegs bin ich ein bisschen zu ihr geworden. In den Bildern bin ich so sehr versunken, dass ich hinsichtlich Story und Dialog etwas unaufmerksam war. Was cinematografisch bei “Bernadette” fehlte, ist hier wortwörtlich gemeistert wurden. Der Film entstand in den schönsten Gärten Englands - nicht am Computer! - mit oft analogen Effekten. Traumhaft schön!

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach
Dieser Film ist anders, als alles, was ich je zuvor gesehen haben. Er erinnert eher an eine Choreografie auf einer Bühne dessen Szenenbild bis ins feinste Detail durchdacht und inszeniert ist. Es tut sich nicht viel auf den ersten Blick, doch die endlos erscheinenden Einstellungen ohne Schnitt geben einem viel Zeit um genauer hinzuschauen. Dann entdeckt man vor allem immer wieder sich selbst im Spiegel des phänomenal pointierten und tragischen Humors. Besonders fasziniert hat mich die eintönige, reduzierte Farbwelt, die in jeder Szene die gleiche ist. Grau, gelb, braun. Machen wir uns also nichts vor: Das Leben ist monoton und langweilig. Darüber kann man ruhig auch mal lachen.


Nomadland

Frances McDormand hat eine Ehrlichkeit in ihrem Schauspiel, mit der sie mich immer wieder ergreift. In “Nomadland” findet man neben ihr nicht viele andere professionelle Schauspieler. Der Film basiert auf einem Sachbuch über die Wanderarbeiter in den USA, die sich zu einem großen Teil selbst spielen. Hier gibt es also wenig Schauspiel und viel Wahrheit – und so wirkt auch Frances McDormand manchmal beklemmend nah. Die Stimmung hat mich in den Kinosessel gedrückt und mich machtlos zurückgelassen. Ich schwanke zwischen dem romantischen Gefühl dieses Nomadenlebens und dem hoffnungslosen Zwang, der ursächlich dafür ist. Ein Film voller Schönheit über eine hässliche Welt.

BÜCHER

The Hills von Matias Faldbakken (Komplett)
Mein vierter Faldbakken und der erste, der keine vulgäre Sezierung der Gesellschaft ist (The Cocka Hola Company, Macht und Rebel, Unfun). Hier seziert stattdessen im feinen Ton der Kellner eines traditionsreichen Osloer Restaurants das Phänomen Alltag und dessen Protagonisten. Die Beobachtungen sind präzise, oft grotesk und hochgradig unterhaltsam. Die Gestaltung der Ausgabe, vor allem das noble, strukturierte Papier des Einbands, hätte der perfektionistische Kellner des “Hills” exakt genauso gewählt. Sehr geschmackvoll!


Im Unterland (S. 150/499) von Robert Macfarlane
Dieses Buch stand schon eine ganze Weile auf meiner Liste. Als ich es schließlich im Buchladen in der Hand hielt, war ich etwas erstaunt darüber, wie dick es doch ist. Ich bin noch ganz am Anfang, aber erkenne jetzt schon, dass man diese Mächtigkeit braucht, um auch nur annähernd tief genug in das Unterland einzudringen und es begreifen zu können. Robert Macfarlane zieht mich mit seiner fast schon poetischen Art, wie er dieses “Sachbuch” schreibt, immer tiefer herab. In der ersten Kammer - wie Macfarlane seine Kapitel bezeichnet - war ich in den alten Grabhöhlen der Mendip Hills und in Bergbauhöhlen, deren Gänge bis unter den Atlantik reichen und in deren Tiefe man der Schwarzen Materie auf der Spur ist. Gerade eben erforsche ich unter meinen Füßen im Waldboden das unendliche Netzwerk der Wurzeln und Sporen.

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Bird by Bird (S.54/220) von Anne Lamott
Sucht man nach einem Buch, was einem dabei hilft, ein besserer Autor zu werden, kommt man um “Bird by Bird” nicht herum. Zumindest sind alle meine Rechercheergebnisse dieser Meinung. Und lockt dann die Jubiläumsedition mit einer so schönen Illustration, die in Lack auf ein haptisch wirklich spannendes Papier gedruckt ist, kann ich natürlich nicht widerstehen. Ich mag es, Anne Lamott dabei zu zuhören, wie schreiben (und leben) für sie funktioniert. Sie teilt mit einem alles, was sie über das Schreiben (und Leben) weiß - als Bericht aus Ihrer Writing Class, als tragische oder komische Lebenserinnerung, als persönliches Textbeispiel. Der Untertitel des Buchs lautet “Some Instructions on Writing And Life”. Ich möchte schon nach den ersten 55 Seiten “Some” gegen “Many” eintauschen. Und da hat sie gerade einmal über “Getting Started,” “Shitty First Drafts” und kleinere Kniffe zur Ideenfindung gesprochen.


Das Gesamtwerk von Wolfgang Borchert
Nur zwei Dutzend Kurzgeschichten, ein paar wenige Gedichte und das herausragende Theaterstück “Draußen vor der Tür” füllt dieses Buch. Letzteres wurde einen Tag nach seinem Tod uraufgeführt. Ich lese mich ein wenig quer durch das Buch. Die Kurzgeschichte “Die Hundeblume” ist ein erschütternder Bericht über Borcherts persönliche Erfahrungen als Häftling während der NS-Zeit.

„Ich möchte Leuchtturm sein
in Nacht und Wind –
für Dorsch und Stint –
für jedes Boot –
und bin doch selbst
ein Schiff in Not!“

- aus Borcherts Gedichtsammlung “Laterne, Nacht und Sterne. Gedichte um Hamburg”

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Tomb Raider (31%) (PS3)
Ich konnte die letzten Wochen nicht Wandern gehen, also suchte ich mir einen adäquaten Ersatz. Mit Lara Croft erlebe ich gerade das spannendeste (und hin und wieder ekligste - definitiv ab 18!) Abenteuer meiner Konsolenhistorie. Unterwegs in das Gebiet des Drachen-Dreiecks in der Japanischen See bin ich mit meinem Forschungsteam auf der ENDURANCE in einen schweren Sturm geraten. Ich bin am Strand irgendeiner Insel aufgewacht und hatte keine Ahnung, was mit meinen Leuten geschehen ist. Ich fand aber schnell heraus, dass wir nicht die einzigen Menschen hier sind. Hier wimmelt es von ziemlich agressiven Typen - und Leichen. Die Gruppe gehört zu einer Art Kult, die glaubt die Königin Himiko auf irgendeine Weise zu erreichen. Die Gräber und Reliquien, die ich entdecke sind fasznierend. Es ist unglaublich spannend die Geschichte der Insel und Lara Crofts Emotionen so nah zu erleben. Aber eigentlich will ich einfach nur wieder runter von dieser Insel. Ein Rettungsflugzeug ist abgestürzt, der Pilot erschossen und meine Freundin Sam in Gefangenschaft.


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